
Eine archaisch anmutende Einrichtung ist die Lautprecher-Propaganda. Überall in der Städten und Orten sind flächig verteilt Megaphone an den Masten angebracht. So um 6:00 Uhr morgens und um 17:00 Uhr abends ertönen meist weibliche Stimmen, die die Welt erklären. Das vermute ich, denn ich verstehe es ja nicht, es klingt jedenfalls so.
Die Uhrzeiten deuten darauf hin, dass es gute Worte für den Weg zur Arbeit und ebenso gute nach getanem Tagwerk sein müssen. Auch eine Vermutung. Es scheint aber auch nicht so wichtig zu sein, was dort propagiert wird, denn ich konnte keine irgendwie geartete Reaktion — ein Aufmerken, Stirnrunzeln, Nicken oder Wutausbruch — bei den Vietnamesinnen und Vietnamesen erkennen. Nachdem mir Pauline erzählte, dass sie die Lautsprecher an den Masten — die Erst-Touris sofort ins Auge fallen — nicht mehr sieht, vermute ich, die Einheimischen hören die Blechstimmen daraus auch gar nicht mehr.
Nachdem ich mich per Ohrstöpsel (morgens) und gezielter Regungssuche in den Gesichtern des Straßenvolks (nachmittags) ganz gut auf die aus dem Hintergrundlärm ragenden Blechworte eingestellt hatte, erregten andere unzeitlich kommende Lautsprecher-Durchsagen meine Aufmerksamkeit. Sie kamen meist von mobilen Einheiten (Fahrrad oder Moped) als batteriegetriebene Ansagen. Das hingegen war — wieder nur mutmaßlich — gewöhnliche Werbung für gewöhnliche Waren. — Ob das so geschickt ist, ausgerechnet Megaphone zu nutzen, die eh keiner mehr wahrnimmt?
Nun, anders ist vielleicht kein Durchkommen mehr, denn die visuelle Umwelt zumindest in Hanoi ist derartig mit Werbung und optischen Aufmerksamkeitsfängern zugepflastet, dass hier noch mehr nichts wäre. Das Herstellen von Einrichtungen zum Werben und Ankündigen beschäftigt so ganze Straßenzüge, genauer, zahlreiche Menschen in Kleinst- und Miniwerkstätten, die mangels Platz direkt auf der Straße Schilder und andere Marktwirtschaftseinrichtungen herstellen.
Andere Städte haben aus der Sichtverschmutzung schon Konsequenzen gezogen und Werbung in der Stadt abgeschafft (São Paulo). Einer Stadt in Vietnam traue ich das nicht zu — Vietnam befindet sich im allgemeinen Nachholfieber, und außerdem stünde dann wohl möglich auch die »geliebte Lautsprecher-Proganda« zur Disposition.
3. Mai 2009 um 12:37 |
[...] die alltäglichen Lautsprecher-Verkündigungen, so wird die Stadt auch von Transparenten überspannt. Auf denen steht vermutlich eben das, was [...]