Leider blieb es an diesem Wochenende (22. – 24. Mai) nicht nur bei einer Maus… Phuong hatte unten bei sich in der Wohnung schon seit einiger Zeit Probleme mit einer ortsansässigen Maus. Das Vieh wollte auch partout nicht in die Mausefalle tappen, obwohl ich sogar einen Löffel wertvoller Nutella als Köder nutzte. Phuong war sich sicher: Das war keine Maus, sondern ein Geist! (Was auch ein schönes Thema für einen weiteren Blog-Artiekl wäre, aber zurück zum Plagegeist.) Im Zuge wochenlanger Observation kam Phuong zu dem Schluß, dass besagte Maus regelmäßig das Badezimmerfenster als Ein- und Ausgang benutzte; kurzerhand ließ Phuong also ein Gitter davor anbringen, so dass die Maus nicht mehr hereinkam. Vielleicht kam sie auch nicht mehr raus, das wissen wir nicht. Wir wissen jedoch, dass es hinter Phuongs Kühlschrank neuerdings ordentlich nach toter Maus riecht.
Nachdem die Gefahr gebannt war, saß ich am Freitag ganz ahnungs- und arglos an meinem Schreibtisch neben der geöffneten Balkontür, um ein bisschen frische Luft (*hust* *hust*) ins Zimmer zu lassen. Aus dem Augenwinkel wurde ich einer Bewegung gewahr und siehe da! da kroch ein kleines bepelztes Etwas bei mir zur Türe herein. Die kleine Maus war schon älter, nicht mehr nackt und auch nicht blind, allerdings zu meinem Glück nicht sehr schnell und klettern konnte sie auch noch nicht. Ich nahm den erstbesten Gegenstand, den ich in die Finger bekam (Handfeger und Müllschippe) und versuchte das niedliche Tierchen von meinem Kleiderschrank fernzuhalten. Zu dieser Zeit war ich der Panik nahe (wusste ich doch, was Phuong mit ihm mache würde, bekäme sie es in die Finger) und ich wußte nicht, was ich mit ihr machen sollte. Ratlos stand ich auf meinem Balkon, mit einer winzigen Maus auf der Müllschippe. Ich dachte daran, einfach die Maus aufm Balkon auszusetzten und die Tür zu schließen Also schnippte ich die Maus mit dem Handfeger von der Schippe. Leider war ich ein bisschen panisch und das Schnippen wurde kraftvoller als geplant, weshalb die arme kleine Maus vom Balkon gefegt wurde. *seufz*
Von diesem Schock musste ich mich erstmal erholen. Also fing ich an, meine Sachen zu packen, denn ich wollte mal wieder die anderen weltwärtis am Ho Tay besuchen; in der Woche komme ich nie dazu. Ich griff also in das Gewirr eingestaubter (und wahrscheinlich auch partiell schimmelnder) Taschen und fuhr erschrocken zurück, als meine Hand auf etwas Pelziges stieß. Na toll. Nächster Köttelschmeißer in Miniaturausgabe. Ich nahm eine Plastiktüte, um die Maus hochzuheben (mit bloßen Fingen will ich es dann doch nicht anfassen) und trug es unter hysterischen „bac oi! bac oi!“-Rufen runter zu Phuong. Wie vorhergesehen landete die Maus in der Toilette. Armes Vieh.
Phuong wollte nun natürlich wissen, wo ich die Maus gefunden hatte und kam mit nach oben in mein Zimmer. Wir mussten aber nicht einmal bis in mein Zimmer gehen, um die nächsten zwei kleinen Kerlchen zu finden; beide hockten ein bisschen verloren auf der Treppe und sie ereilte schnell das gleiche Schicksal wie ihr vorheriges Geschwisterchen.
4 kleine, herzallerliebste winz-Mäuse an einem Tag sterben zu sehen (oder umzubringen, formuliert es wie ihr wollt) geht einem dann doch an die Substanz. Ich war froh, zu den anderen weltwärtis entfliehen zu können.
Als ich am nächsten Tag wieder nach Hause kam, erzählte mir Phuong von Maus Nr. 5. Zu diesem Zeitpunkt begann ich mich zu wundern, wie viele Kinder so eine Maus wohl normalerweise bekommen kann. Eine Antwort bekam ich auf diese Frage ein wenig später, als die nächste Maus vor meinem Zimmer hockte und geradezu apathisch aussah. Nicht, dass die Mimik besonders gut zu erkennen gewesen wäre, aber sie lief nicht weg bzw. schien nicht die Kraft dazu zu haben. Wahrscheinlich waren alle kleinen Mausebabys schon halb verhungert, weil ihre Eltern enweder tot oder durch das Gitter im Badezimmerfenster von den Kleinen abgeschnitten waren. Maus Nr. 6 lebte danach nicht mehr lange (Phuong arbeitet sehr präzise und akkurat, wenns um solche Dinge geht).
Heute Morgen nun hauchte die siebente Maus ihr Leben aus; sie schien nicht gar so abgemagert zu sein wie ihre Geschwister, was wohl auch daran lag, dass sie es bis in die Küche geschafft hatte und nun in einem Küchenschrank festsaß. Phuong machte kurzen Prozeß mit ihr.
Alle weltwärtis, denen ich von der Mäuseplage berichtete, waren schockiert und bestürzt. Die armen kleinen Mäuse! Ja leider nur bleiben die kleinen Mäuse nicht ewig klein und spätestens wenn sie das Obst auf Phuongs Ahnenaltar anknabbern, kann ich Phuongs Abneigung auch sehr gut verstehen. Mäuse sind bestimmt die schlimmste Plage, die man im Haus haben kann; sie kacken einem die Bude voll, knabbern alles an, was nach Nahrung aussieht oder zur Nahrung führen kann und sind ziemliche Störenfriede. Manche weltwärtis sagten, ich hätte doch eine Maus als Haustier behalten können. Nein, danke, da schaff ich mir doch lieber Kakerlaken an. Die kann ich wenigstens ruhigen Gewissen erschlagen, wenn sie mir aufn Geist gehen.